Zartschöne Püschel im Moor: Das Scheiden-Wollgras

Es gibt sicher verschiedene Assoziationen, die einem beim Stichwort Moor in den Sinn kommen. Eine davon ist ganz sicher das Bild einer wunderschön blühenden Wollgraswiese. Wobei das Moor natürlich keine Wiese und die schönen Wattebäuschchen am Gras keine Blüten sind. Die Püschel sind nichts anderes als die Blütenhüllenfäden des Wollgrases. Sie sind also nach der Blütezeit, im fruchtenden Zustand der Pflanze, zu beobachten.

Für viele Moorgebiete ist das Scheiden-Wollgras charakteristisch. Es ist in allen gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel zu Hause und siedelt sich auch im Gebirge an - in Deutschland zum Beispiel in den Allgäuer Alpen. Neben Mooren besiedelt es ebenfalls feuchte Kiefernwälder. Auch wächst es in ehemaligen Mooren bzw. solchen Gebieten, die durch Renaturierung wieder in Moore umgewandelt werden sollen. Zumeist ist in diesen Biotopen ein reichhaltiger Birkenbestand zu finden.

Das Scheiden-Wollgras wird 10 bis 60 Zentimeter hoch. Seine Wuchsform bezeichnet man mit einem Begriff, den viele wohl eher aus der Ornithologie (oder als Beleidigung ?) kennen: Wenn Pflanzen, wie das Scheiden-Wollgras, keine Ausläufer ausbilden und viele Triebe einer Pflanze dicht beieinanderstehen, nennt der Botaniker das „Horst“. Das Scheiden-Wollgras wächst in lockeren bis dichten Horsten und kann hier dichte Rasen bilden.

Traditionell wurden die Püschel des Scheiden-Wollgrases als Wundwatte genommen. Zudem nutzte man sie zum Befüllen von Kissen. Auch Dochte für Lampen wurden daraus gedreht. Dafür wird es heute natürlich nicht mehr verwendet. Im Gartenbau wird das Scheiden-Wollgras aber weiterhin kommerziell genutzt. So wird es recht häufig in Moorbeeten gepflanzt.

Das Vorkommen des Scheiden-Wollgras ist aufgrund seiner Spezialisierung auf einen bestimmten Typ Lebensraum mit dem Rückgang dieses Lebensraums ebenfalls gefährdet. Leider geht damit aber kein offizieller Schutzstatus einher. Die Verbreitung des Scheiden-Wollgrases ist überall dort gut, wo es den Mooren gut geht bzw. es noch ausreichend Moorflächen gibt. Es gibt in der natürlichen Verbreitungszone aber leider auch Gebiete, in denen es selten oder sogar ausgestorben ist (beispielsweise im Burgenland).

Wollen wir also etwas für das Scheiden-Wollgras tun, so müssen wir vorhandene Moore bewahren und ehemalige Moorfläche renaturieren. Warum dies nicht nur für das Scheiden-Wollgras wichtig ist, könnt ihr hier in meinem Artikel rund um das Thema Moor nachlesen:

Moore

Die Rolle Im Ökosystem

Das Scheiden-Wollgras verfügt über eine für die Torfbildung wertvolle Biomasse. So zerfallen beispielsweise die dicken Blattspreiten nach dem Absterben in Faserbüschel, zersetzt werden sie jedoch nicht. Vielmehr bleiben sie dem Moor als klar sichtbare Reste erhalten und bauen den Torfvorrat eines Moores stetig aus. Der Anteil des Scheiden-Wollgrases an der Torfmasse steigt dabei mit dem Alter des Moores allmählich an.

Gleich für eine ganze Reihe von Tieren spielt das Scheiden-Wollgras als Nahrungsquelle eine große Rolle. In den Tundren der Arktis beispielsweise ernährt es nicht nur Ziesel, Lemminge und Gänse. Sogar große Tiere wie das Ren greifen auf das Wollgras als Nahrung zurück. Durch seine ausgeprägte Regenerationsfähigkeit ist die Pflanze hierauf wunderbar vorbereitet und wird in einem Ökosystem, das sich in einem natürlichen Gleichgewicht befindet, nicht überbeansprucht.

Doch nicht nur große Tiere erfreuen sich am Scheiden-Wollgras. Tagfalterarten laben sich sowohl als Raupe als auch im ausgewachsenen Stadium daran. Darunter zu finden sind höchst seltene Arten wie das Stromtal-Wiesenvögelchen. Neben den Faltern gibt es auch Zikadenarten, die sich monophag (ausschließlich) vom Scheiden-Wollgras ernähren. Dies trifft in Deutschland gleich auf mehrere Arten zu. Nicht zuletzt wegen dieser wichtigen Funktion ist es unabdingbar, dass wir gesunde Moore schaffen und erhalten.

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