Der Bergmolch

Der Bergmolch vollbringt jedes Jahr aufs Neue eine faszinierende Farbmetamorphose. Die meiste Zeit des Jahres hüllt sich der Bergmolch in unscheinbares Grau und Schwarz – nur sein Bauch lässt bereits eine orange Färbung erahnen.

Seine Wanderung

Bereits ab Februar beginnt er seine Wanderung. Sein Ziel: das Wasser, in dem die nächste Generation heranwachsen wird. Pünktlich zur Paarungszeit wandelt er seine Färbung von der schlichten Landtracht zur auffallenden Wassertracht.
Dann fallen die männlichen Bergmolche – auch dem Menschen – durch ihren bläulichen Rücken, die schwarz-weiß gepunkteten Seiten und den intensiv orange-rot gefärbten Bauch leicht ins Auge. In dieser Zeit haben die männlichen Bergmolche noch eine weitere Auffälligkeit zu bieten: Ihr Rücken wird von einer aufgestellten, schwarzgelb gemusterten Hautleiste geschmückt. Die Weibchen sind mit Sicherheit beeindruckt von solcher Farbenpracht.

Sein Lebensraum

Der bis zu 12 Zentimeter große Bergmolch lebt am liebsten in gewässerreichen, naturnahen Wäldern in der Mittelgebirgszone. Besonders gerne mag er es hügelig und bergig. Glücklicherweise ist der Bergmolch kein Kulturlandschaftsverächter. So ist er auch häufiger in naturnahen Gärten anzutreffen. Diese werden für ihn, durch den fortschreitenden Verlust natürlicher Lebensräume, zukünftig wohl immer wichtiger. Zu meiner großen Freude haben sich auch bei mir im Garten ein paar Bergmolche angesiedelt.

In Deutschland kommt der Bergmolch zumeist im mittleren bis südlichen Teil vor. Im Nordwesten ist er eher selten anzutreffen, im Nordosten fehlt er nahezu komplett. Wenn nicht gerade Paarungs- und Laichzeit ist, ist der Bergmolch ein eher nachtaktives Tier und läuft uns daher seltener über den Weg. Den Tag über verbringt er meist in dunklen, kühlen Verstecken. Sehr gerne werden dafür Steine oder Holz genommen.

Die Balz

Die Balzzeit bei den Bergmolchen ist vor allem für die Männchen ein großer Kraftakt. Zumeist werben gleich mehrere Männchen auf einmal um die Gunst eines Weibchens.

Bei den oft langwierigen Balzritualen versucht das Männchen, möglichst dicht an das Weibchen heranzukommen. Sein Ziel ist es, dem Weibchen Duftstoffe aus seiner Kloake zuzufächeln. Dies macht das Bergmolchmännchen mithilfe seines Schwanzes. Natürlich wird das nicht beim ersten Versuch von Erfolg gekrönt. Und so wird das Weibchen ohne Unterlass verfolgt. Solange, bis es seine Paarungswilligkeit offenbart. Ihre Zuneigung zu ihm zeigt sie dann mit einer leichten Berührung seiner Schwanzregion.

Die Paarung

Haben sich zwei Partner gefunden, steht der Entstehung der nächsten Generation nichts mehr im Wege. Die männlichen Bergmolche setzen am Gewässerboden ihre Spermatophoren [*] ab. Das auserwählte Weibchen kriecht darüber und nimmt die Samen über seine Kloake auf.

War die Befruchtung erfolgreich, kann ein weiblicher Bergmolch innerhalb einer Laichsaison bis zu 250 Eier legen. Das geschieht aber nicht auf einmal, sondern erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Die Eier werden auch nicht, wie bei Fröschen in Form von Laichballen oder wie bei Kröten in Form von Laichschnüren ins Wasser abgegeben. Stattdessen heften Bergmolche ihre Eier einzeln an Wasserpflanzen.

Hat das Ei seinen Platz gefunden, hängt seine weitere Entwicklung nicht unerheblich mit der Wassertemperatur zusammen. Die Embryonalentwicklung dauert etwa zwei bis drei Wochen und die Entwicklung der Larve etwa drei Monate.
Die Elterntiere verlassen das Wasser zwischen Juni und Juli und wandern in ihre Reviere zurück. Die Jungtiere sind weitaus später unterwegs: Sie entfernen sich erst etwa von September bis Oktober von ihren „Kinderzimmer“.

[*] Was sind Spermatophoren?
Der deutsche Name „Samenpakete“ lässt die Antwort schon erahnen: Es handelt sich um Spermienhaufen, die, je nach Art, mit unterschiedlichen Kittsubstanzen zusammengehalten werden. Diese Spermienhaufen werden dem Weibchen dann auf unterschiedliche Art zugänglich gemacht.

Bedrohung

Bedroht wird der Bergmolch durch diverse Faktoren. Die Zerstörung von Kleingewässern bedeutet für ihn leider all zu oft den Komplettverlust des Lebensraums. Zu diesem Lebensraum gehören auch Pfützen oder mit Regenwasser gefüllte Fahrspuren auf Waldwegen. Das immer mehr Wald- und Feldwege asphaltiert werden, ist also nicht nur für viele Pflanzen und Insekten ein Problem. Auch der Bergmolch leidet darunter. Weiter bedroht wird er dadurch, dass kleine Gewässer oftmals zugeschüttet, vermüllt, überdüngt oder gar vergiftet werden. Die jährliche Wanderung zu den Laichgewässern tut ihr übriges. Unzählige Tiere fallen in dieser Zeit dem Straßenverkehr zum Opfer. Auch das Einsetzen von Fischen in Kleingewässer, zum Beispiel durch Angler, kann zu einem Verlust der gesamt Lokalpopulation führen, wenn Laich und Larven von den Fischen gefressen werden.

All dies sind Gründe dafür, warum der Bergmolch durch das Bundesnaturschutzgesetz „besonders geschützt“ ist. Das bedeutet, er darf weder gefangen, verletzt oder getötet werden. So viel zur Theorie. In der Praxis hilft dem Bergmolch dieser Schutzstatus leider nicht sehr viel. Allerdings können wir, also jeder Einzelne von uns, etwas tun, damit dem Bergmolch das Leben erleichtert wird.

Schutz

Gartenbesitzer haben die Möglichkeit durch eine naturnahe Gestaltung ihres Gartens Lebensräume zu schaffen. Angefangen beim Anlegen von Stein- oder (Tot)holzhaufen bis hin zu einem Teich gibt da sehr viele Möglichkeiten, die nicht nur dem Bergmolch helfen. Auch viele weitere Tiere profitieren davon.

Zudem kann man sich zu Wanderzeiten an lokalen Krötenzaunaktivitäten beteiligen. Ich mache das auch und kann es nur empfehlen. Selbstverständlich sollte sein, sich an der Vermüllung der Natur nicht zu beteiligen. Auch kann es durchaus sinnvoll sein, sich lokalpolitisch einzumischen, wenn es darum geht, wie sich ein Wald entwickeln soll. Ebenfalls kann auf die Wichtigkeit von Wandertunneln hingewiesen werden. Wenn überhaupt, werden solche Tunnel nur auf massiven Druck aus der Bevölkerung hin gebaut.
Nicht zuletzt sollten Straßen, die auf Wanderrouten der Amphibien liegen, zu Wanderzeiten nicht befahren werden, auch wenn sie meist leider nicht gesperrt werden.

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