Die Erdkröte

Mit einer Größe von bis zu elf Zentimetern gehört sie zu den Riesen unter den europäischen Amphibienarten. Die Erdkröte kommt fast in ganz Europa vor und gehört bei uns zu den häufigsten Amphibienarten.

Der Körper der Erdkröte ist oft deutlich von warzigen Hautdrüsen bedeckt. Ihre Oberseite ist bräunlich, die Unterseite meist schmutzig weiß. Männchen und Weibchen lassen sich in der Fortpflanzungszeit gut unterscheiden, denn die Männchen haben schwärzliche Schwielen an ihren Daumen und den nächsten beiden Fingern.
An den Wanderungen zu den Laichgewässern beteiligen sich die Erdkröten erst ab einem gewissen Alter. Die Männchen wandern mit drei Jahren das erste Mal, Weibchen mit vier bis fünf Jahren. Das mag spät klingen, doch Erdkröten können ausgesprochen alt werden. In einem belegten Fall wurde eine Erdkröte in Gefangenschaft 36 Jahre alt! Für das Leben in Freiheit schätzt man ihre Lebenserwartung auf etwa 10 bis 15 Jahre.

Die Verbreitung der Erdkröte über weite Teile Europas, mag auch am breiten Spektrum der für sie geeigneten Lebensräume liegen. Die Erdkröte besiedelt eine Vielzahl von stehenden Gewässern und ist dabei weitaus weniger spezialisiert als manch andere Amphibienart. Ob nährstoffarm oder nährstoffreich, Gebirge oder Flachland, die Erdkröte ist bei der Ablage ihrer Laichschnüre wenig wählerisch.

Die Wanderung

Die Erdkröte gehört zu den Amphibien, die sich im Frühling als erstes auf die Wanderschaft zu ihren Laichgewässern begeben. Der genaue Zeitpunkt der Wanderung variiert lokal. In Mitteleuropa beginnt die Wanderung meistens im März, wenn die Zeit des Frostes vorbei ist. Für den Fall, dass es während der Wanderung erneut Frost gibt, wird die Wanderung unterbrochen. Die Tiere vergraben sich dann an Ort und Stelle und warten, bis die Temperaturen wieder steigen.

Erdkröten finden sich oft schon während der Wanderung zu Paaren zusammen. In diesem Fall lässt sich das Männchen huckepack vom Weibchen zum Laichgewässer tragen. Zurückzuführen ist das auf den sogenannten Klammerreflex bei Erdkrötenmännchen - ab einem gewissen Hormonstatus umklammern sie instinktiv alles, was ihnen über den Weg läuft, hüpft oder schwimmt. Bei meiner Arbeit am Krötenzaun habe ich selbst erlebt, wie die Männchen sich instinktiv an meinen Fingern festgeklammert haben.

Die Paarung

Am Laichgewässer angekommen gibt das Weibchen die Laichschnüre ab, welche vom Männchen direkt befruchtet werden. Bei Erdkröten beinhalten diese Schnüre in der Regel 3.000 bis 6.000 Eier. An den Laichgewässern herrscht ein großer Überschuss an Männchen, etwa in einem Verhältnis von 3:1. Zudem verlassen die Weibchen das Laichgewässer relativ rasch nach dem Ablaichen, während sich die Männchen noch längere Zeit dort aufhält. Der Überschuss an Männchen am Laichgewässer sorgt für erbitterte Kämpfe um die wenigen Weibchen.
Es kann sich also glücklich schätzen, wer seine Partnerin schon auf dem Weg gefunden hat und durch den Klammerreflex auch nicht mehr hergibt. Zudem ist es ja auch viel angenehmer, sich tragen zu lassen als selbst zu laufen

Die Feinde und wie sich die Erdkröte wehrt

Während der Laich und die Larven bei vielen Tieren eine beliebte Nahrung sind, wissen sich die erwachsenen Erdkröten besser zu schützen: Sie sondern ein giftiges Hautsekret ab. Das besteht aus verschiedenen Giften und schmeckt abscheulich, für einige Tiere ist es sogar tödlich. Trotzdem hat die Erdkröte eine lange Liste von Feinden. So steht sie zum Beispiel auf dem Speiseplan von Mäusebussard, Waldkauz, Graureiher, Iltis und Wasserspitzmaus. Auch von der Ringelnatter wird sie gejagt. Jedoch hat die Erdkröte ihr gegenüber eine Verteidigungsstrategie entwickelt - sie bläht sich auf, wenn sie auf eine Ringelnatter trifft, und baut damit eine Drohkulisse auf. Nicht immer, aber manchmal rettet ihr dieser Trick das Leben und die Ringelnatter zieht sich zurück.

Ein weiterer Feind der Erdkröte ist die Erdkröten-Goldfliege. Die Larven dieser Fliege fressen die Erdkröte innerhalb weniger Tage von innen heraus auf. Allerdings gibt es auch hier einen Schutzmechanismus. Die Erdkröte kann, sofern sie die Eiablage bemerkt, eine sogenannte Nothäutung vornehmen. Nach dieser Häutung frisst die Erdkröte ihre eigene Haut samt des Fliegenlarvengeleges auf und kommt den Fliegenlarven damit zuvor.

Übrigens: Wer Erdkröten in seinem Garten hat, kann sich glücklich schätzen. Neben Schnaken fressen Erdkröten nämlich auch Nacktschnecken und sind damit auf dem besten Wege des Gärtners bester Freund zu werden.

Erdkröten schützen

Die Gefahren, denen die Erdkröte ausgesetzt ist, sind ähnlich wie bei anderen Amphibien. Zum einen werden sie durch die Zerstörung von Gewässern, beispielsweise durch Zuschüttung, gefährdet. Aber auch die Verschmutzung und Vergiftung von Gewässern wirkt sich negativ auf die Erdkröten aus. Vor allem während der Wanderungszeit kommt noch die Gefährdung durch den Straßenverkehr hinzu.

Um die Erdkröte zu schützen, bedarf es also einer ganzen Reihe von Maßnahmen - Biotope müssen erhalten und der Eintrag von Müll und Giften muss gestoppt werden. Zudem müssen sichere Korridore (wie Krötentunnel) für die Wanderung geschaffen werden. Solange es diese Korridore nicht gibt, sollten Straßen, die zur Wanderung genutzt werden, gemieden werden. Geht das nicht, sollte die Geschwindigkeitsbegrenzung auf jeden Fall eingehalten werden. Bei zu hoher Geschwindigkeit sterben die Tiere nämlich nicht nur, wenn sie Überfahren werden, sondern auch durch den Luftdruck, der durch das fahrende Auto entsteht und mit der Geschwindigkeit zunimmt.

Wo es keine gesicherten Wanderkorridore für Amphibien gibt, bleibt der Schutz der Tiere mühevolle Handarbeit. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, euch an der alljährlichen Arbeit am Krötenzaun zu beteiligen – die Naturschutzorganisation bei euch vor Ort wird sich über eure Hilfe freuen!

Der Lebensraum

Ein Paradies für die Erdkröte könnte so aussehen: Ein Laubmischwald mit einem krautreichen Boden und einem reichen Angebot an Verstecken für den Tag und Nahrung in der Nacht. Vor allem Steine, Totholz, Laub und selbst gegrabene Erdlöcher dienen ihr als Versteck.

Doch die Erdkröte ist keineswegs auf einen solchen Lebensraum beschränkt und so können wir sie auch in anderen Lebensraumtypen antreffen. Im dichten Wald ist die Bestandsdichte allerdings niedriger als in einem lichten Wald. Das hängt mit dem spärlicheren Bodenbewuchs und dem kleineren Vorkommen an Nahrungstieren zusammen.

Daneben besiedelt die Erdkröte auch Wiesen, Weiden und Hecken. Leider wirkt sich die intensive Nutzung dieser Flächen negativ auf ihr Vorkommen aus. Einerseits werden ihr Verstecke genommen und andererseits ist die Anzahl der Beutetiere auf intensiv genutzten Flächen deutlich geringer als auf jenen, die extensiv bzw. ökologisch bewirtschaftet werden.
Auch Streuobstwiesen und Parks mit einer abwechslungsreichen Struktur nimmt die Erdkröte gerne als Lebensraum. Einen großen Vorteil gegenüber anderen Amphibienarten hat die Erdkröte durch ihre Fähigkeit, auch wechselfeuchte und sogar trockene Gebiete zu besiedeln. Potenzielle Überflutungsflächen werden von der Erdkröte allerdings seltener besiedelt.

Zusammengefasst ist die Erdkröte ein Kulturfolger wie aus dem Lehrbuch. Selbst im innerstädtischen Bereich kann sie vorkommen, sofern wir ihr hier geeignete Rückzugsmöglichkeiten bieten. Nicht besiedelt werden von ihr intensiv genutzte und flurbereinigte Flächen, wie zum Beispiel großflächige Monokulturen. Zudem fallen auch Gebiete weg, die im erreichbaren Umkreis keine Laichgewässer aufweisen.

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