Ist Baumkrebs ein Problem?

Baumkrebs ist keine für sich stehende Baumkrankheit. Vielmehr werden hier unterschiedliche Vorgänge unter einer Bezeichnung zusammengefasst. Denn die Bildung von Baumkrebs kann unterschiedliche Gründe haben.

Die Ursache für die Bildung von Baumkrebs kann zum Beispiel eine Besiedlung durch Pilze sein. Aber auch Bakterien können dafür verantwortlich sein. Ebenfalls führt die sogenannte Knospensucht zur Baumkrebsbildung. Als Knospensucht bezeichnet man den massenhaften Austrieb von schlafenden Knospen. Die ausgebildeten Triebe überdauern hierbei aber oft nur eine kurze Zeit. Nach ihrem Absterben muss der Baum die dadurch entstehenden Wunden in der Rinde versorgen - also die entsprechenden Stellen überwallen -, wodurch es zur Baumkrebsbildung kommt.

Vor allem bei einer Besiedlung durch Pilze kann die Bildung von Baumkrebs nur eine Symptombehandlung sein. Der Baum behandelt hiermit offene Wunden, was aber nicht automatisch zur Vernichtung des Pilzes führen muss. Verbleibt der Pilz im Baum, kann er sich weiter ausbreiten, was in der Folge zu weiteren offenen Baumverletzungen führt, die wiederum vom Baum verschlossen werden müssen.

Ist Baumkrebs ein Problem?

Wenn der Baum Baumkrebs ausbildet, ist das in erster Linie Ausdruck seiner Vitalität. Der Baum hat ausreichend Kraft, um Verletzungen zu behandeln und den Kampf gegen seine Gegenspieler aufzunehmen. Wie dieser Kampf ausgeht und wie lange er geführt wird, hängt von vielen weiteren Faktoren ab. Für das Ökosystem Wald sind Bäume mit solchen Strukturen von großer Bedeutung, denn sie fördern die Artenvielfalt und bieten Nischen für viele Arten. Für den Wald und seine Artenvielfalt ist es daher sehr schade, dass Bäume mit Krebsbildungen keinen gesetzlichen Schutz genießen. Eine Kennzeichnung als Habitatbaum würde für den gesamten Wald eine Bereicherung darstellen. Vor allem dann, wenn man auf eine Vielfalt unterschiedlicher Baumkrebsstadien viel Wert legen würde.

Warum ist Baumkrebs positiv?

Baumkrebs schafft mehr Struktur auf der Rinde. Und Struktur wird innerhalb eines Ökosystems genutzt, sprich besiedelt. Vor allem Baumkrebs an glattrindigen Baumarten wie der Buche sind besonders wertvoll. Hiervon profitieren zum Beispiel Arten wie der Mittelspecht. Ihm bietet die glatte Oberfläche der Rinde oftmals zu wenig Halt. Eine durch Baumkrebs rauere Beschaffenheit bietet dem kleinen Specht deutlich bessere Voraussetzungen. Ähnliches gilt zum Beispiel auch für den Baumläufer. Zusätzlich siedeln sich in und an Baumkrebsstrukturen auch Insekten an, die dann den Vögeln wiederum als Nahrungsquelle dienen. Nach einem langen Prozess stellen sich sogar Säugetiere ein und werden Nutznießer des Baumkrebses. Haben die Wucherungen eine ausreichende Größe erreicht, dienen sie ihnen als Liegeplatz und somit als Tagesversteck. Beobachtet wurden darauf zum Beispiel Wildkatze und Baummarder. Wenn der Baumkrebs irgendwann von Pilzen, Bakterien und Insekten zersetzt wurde, können sich Höhlen bilden, die dann als Brutplatz oder Verstecke für viele verschiedene Arten dienen können.

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