Der Kiebitz

Der Kiebitz ist der Vogel des Jahres 2019. Zugegeben, nicht bei uns in Deutschland. Hier ist er es schon 1996 gewesen. In diesem Jahr wurde ihm der Titel in der Schweiz verliehen. Und das mit gutem Grund.

Die Probleme, mit denen der Kiebitz zu kämpfen hat, sind ähnlich wie die Probleme des deutschen Vogel des Jahres 2019, der Feldlerche. Beide leiden unter der zunehmend intensivieren Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen. Die Besiedelung dieses Lebensraums war für den Kiebitz bereits eine Anpassung an für ihn neue und weniger geeignete Lebensbedingungen.
Ursprünglich lebte der Kiebitz in Feuchtwiesen, Ried- oder Moorflächen. Die voranschreitende Trockenlegung dieser Flächen für und durch den Menschen ließ ihm keine andere Wahl als auch die neu entstandenen landwirtschaftlichen Flächen anzunehmen.

Nun steht der Kiebitz erneut am Scheideweg. Der Nutzungsdruck auf die von ihm genutzten Flächen steigt stetig. Das bringt gerade für Bodenbrüter wie ihn große Gefahren mit sich. Hinzu kommt der steigende Einsatz von Giften, der das Sterben von Insekten zur Folge hat. Fatal, nicht nur für den Kiebitz. Ist er doch gerade während der Brutzeit auf ein reichhaltiges Nahrungsangebot angewiesen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil seiner Nahrung sind Regenwürmer. Auch sie haben, leider ohne die Aufmerksamkeit der Bevölkerung, mit zum Teil drastischen Bestandsrückgängen zu kämpfen.

Bei all den schlechten Neuigkeiten verwundert es nicht, dass der Kiebitz seit 2015 auf der internationalen Roten Liste der bedrohten Tierarten steht. Vielerorts hat es große Anstrengungen gegeben, um die Lebensbedingungen vom Kiebitz zu verbessern. Punktuell sind hier Erfolge zu verbuchen. Zudem profitieren von solchen Projekten auch viele weitere Arten.
Auch wir Menschen können die wiederbelebten Naturräume genießen. Und eins zeigen die punktuellen Erfolge ganz deutlich: Wir können etwas zum Positiven verändern. Das sollte uns optimistisch stimmen, so kritisch die Lage für den Kiebitz und viele weitere Arten auch sein mag. Wir müssen nur einen Anfang machen.

Die Brut

Die Brutzeit ist für die Kiebitze mit großen Anstrengungen verbunden. Nicht nur die Brut selbst ist anstrengend. Als Bodenbrüter müssen sie auch stets wachsam sein und ihre Eier, sowie später ihren Nachwuchs, verteidigen.

In der Regel besteht ihr Gelege aus vier Eiern, selten sind es weniger. Die Eier haben eine hellbraune Grundfärbung. Die dunkelbraunen Flecken darauf geben ihnen eine gute Tarnung, weshalb sie für Fressfeinde nur schwer zu entdecken sind.
Gebrütet wird bei den Kiebitzen gemeinsam, beide Partner wechseln sich ab. Beschäftigt sind sie damit etwa 21 bis 28 Tage. Da die Eier nicht alle an einem Tag, sondern zeitlich versetzt, gelegt werden, schlüpfen die Küken nicht gemeinsam.
Sowohl aus der Luft, als auch vom Boden drohen Angriffe. Was für die Kiebitze Stress und Angst um ihren Nachwuchs bedeutet, ist für uns als Beobachter ein atemberaubendes Naturerlebnis. Zum Beispiel werden Greifvögel mit spektakulären Luftangriffen, die von lauten Rufen begleitet werden, abgewehrt.
Schlagen alle Versuche fehl und ein Paar verliert sein Gelege, versuchen es die Kiebitze mit einem Ersatzgelege erneut. Selbstverständlich nur dann, wenn es zeitlich noch in die Brutsaison passt. Bei sehr frühen Verlusten kann es sogar ein zweites Ersatzgelege geben.

In der Regel brüten Kiebitze mit mehreren Paaren zusammen. Oft vergesellschaften sie sich auch mit anderen Arten, wie zum Beispiel der Uferschnepfe oder dem Rotschenkel. Eine Regel ist das aber nicht: Es kommt auch vor, dass man nur ein einziges Paar bei der Brut beobachten.

Der Kiebitz am Dümmer

Die Moore und Feuchtwiesen um den Dümmer – das ist ein See in Niedersachsen – herum bieten dem Kiebitz wertvolle Brutgebiete. Dort kann er seinen Nachwuchs ungestört von landwirtschaftlicher Nutzung aufziehen, da die Wiesen während der Brutzeit nicht bewirtschaftet werden.

Ab Mai kann man beobachten, wie sich der Nachwuchs Schritt für Schritt alleine auf die Suche nach Nahrung begibt. Immer unter Beobachtung von Mama oder Papa Kiebitz, die bei Gefahr sofort zur Stelle waren. Bis die Eltern Entwarnung geben, drücken sich die Kinder bewegungslos an den Boden. Durch das erdfarbene Federkleid sind sie in Brutgebieten, wo wenig oder sogar kein Gras wächst, gut getarnt.

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