Der Kormoran

Der Kormoran trägt auch den Namen „Meerrabe“, was auf die lateinische Bezeichnung „Corvus marinus“ zurückzuführen ist.
Wenn man das Glück hat, einen Kormoran aus der Nähe betrachten zu können, fällt auf, dass er keineswegs einfarbig schwarz ist wie sein Namensfetter. Lässt sich der Kormoran an Land nieder, um sein Gefieder von den Strahlen der Sonne trocknen zu lassen, schimmern seine schwarzen Federn metallisch grün oder blau. Seine ebenfalls grünen Augen sitzen wie Smaragde in der leuchtend gelben Hautpartie an seinem Schnabelgrund.

Der Kormoran ist perfekt an die Jagd im Wasser angepasst. In seinen Knochen ist weniger Luft eingelagert als bei anderen Wasservögeln und sein Gefieder nimmt schneller Wasser auf – das verringert seinen Auftrieb und macht ihn unter Wasser beweglicher. Wie beim Pelikan befindet sich auch beim Kormoran die Schwimmhaut nicht nur zwischen den drei vorderen Zehen, sondern auch der hinteren Zehe. Dadurch können sie sich geschickt und schnell unter Wasser fortbewegen. Durch seine Anpassung ist es dem Kormoran möglich, bis zu 90 Sekunden zu tauchen und dabei beträchtliche Strecken zurückzulegen.

Die Brut

Kormorane brüten als Koloniebrüter stets in Gesellschaft ihrer Artgenossen. Die Kolonien bestehen aber nicht nur aus Kormoranen. Häufig finden sich hier auch Graureiher.
Am liebsten legen Kormorane ihre Nester auf möglichst hohen Bäumen im oder am Wasser an. Hierbei besiedeln sie sowohl lebende als auch noch stehende tote Bäume. An der Küste, wo es vielerorts bekanntlich weniger Bäume gibt, brüten sie zudem auf Klippen oder auf dem Boden.

Frühestens im Alter von zwei Jahren kommt es bei Kormoranen zur ersten Brut. Häufiger brüten sie allerdings erst im 3. oder sogar im 4. Lebensjahr das erste Mal. Zu diesem Zwecke findet sich ein Paar zu einer, zumeist monogamen, Saisonehe zusammen. Der Nestbau ist bei Kormoranen Teamarbeit. Sowohl das Männchen wie auch das Weibchen gehen auf die Suche nach geeignetem Material. Sie sammeln Stöcke, die im Wasser schwimmen, oder brechen sich kurzerhand Pflanzenteile am Ufer ab. Die Nestmulde wird mit weichem Material ausgekleidet, das je nach Lebensraum variiert.

Ebenfalls Teamarbeit ist das Bebrüten der Eier. In der Regel sind das bei Kormoranen 3 bis 4 Stück. In seltenen Fällen finden sich bis zu 6 Eier in Nest. Gebrütet wird etwa 23 bis 30 Tage. Danach bleibt der Nachwuchs ungefähr 50 Tage im Nest, dieser Zeitraum wird als Nestlingszeit bezeichnet. In dieser Zeit wird er von den Eltern mit Nahrung versorgt. In einem Alter von etwa 60 Tagen sind die Jungtiere vollständig flugfähig. Komplett eigenständig leben sie ab diesem Zeitpunkt aber nicht. Noch bis zu 13 weitere Wochen bekommen sie von ihren Eltern Nahrung.

Der Kormoran und der Fisch

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Kormorane in Deutschland nahezu ausgerottet. Obwohl die EG-Vogelschutzrichtlinie seit 1979 einen Schutz des Kormorans ermöglichte, hat sich eine Abneigung seitens vieler Angler und Fischer bis heute gehalten. Häufig wird behauptet, dass Kormorane für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich sind und das Überleben seltener Fischarten gefährden.

Dem Bild, dass der Kormoran ein Konkurrent der Fischer sei, steht entgegen, dass zu dem Nahrungsspektrum des Kormorans insbesondere kleine Fische von 10 bis 20 Zentimetern zählen - die sind für Fischer weitestgehend uninteressant. Außerdem erbeuten sie überwiegend die Fische, die im jeweiligen Gewässer ohnehin häufig vorkommen.
Da der Kormoran dort jagt, wo der Aufwand für ihn am geringsten ist, sucht er sich Gewässer, die den Fischen wenig Schutz bieten. Dazu zählen insbesondere Flüsse und Seen, die durch den Menschen befestigt wurden. Dort haben Fische kaum Möglichkeiten, sich vor Feinden zu verstecken und der Kormoran somit ein leichtes Spiel. Auch Teiche, die für die Fischzucht genutzt werden, sind ein gefundenes Fressen für Kormorane. Dies lässt sich allerdings leicht durch die Anbringung von weitmaschigen Drahtnetzen verhindern, wie es LBV und NABU empfehlen.

In natürlichen Gewässern ist ein Rückgang der Fischbestände in erster Linie auf einen Nährstoffmangel im Wasser zurückzuführen, was die Menge an Plankton verringert und damit das Nahrungsangebot für Fische. Außerdem sind unsere Gewässer zunehmend durch Dünger, Gülle und Pestizide aus der Landwirtschaft sowie durch Rückstände aus Arzneimitteln belastet. Hinzu kommt die Gewässererwärmung im Zuge des Klimawandels, die Kaltwasserfischen zusetzt.

Obwohl es viele Maßnahmen gibt, die Fische auf natürliche Weise vor Feinden schützen, werden in Deutschland jedes Jahr mehrere Tausend Kormorane erschossen.

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