Der Sandregenpfeifer

Der Sandregenpfeifer brütet mit Vorliebe an der Küste. Allerdings trifft man ihn, dort wo er geeignete Bedingungen findet, auch im Landesinneren – zum Beispiel an Flüssen oder Kiesgruben. Hier überschneidet sich sein Vorkommen oft mit dem des Flussregenpfeifers. Die besten Beobachtungsmöglichkeiten im Landesinneren hat man während des Zugs zwischen Brut- und Wintergebiet. In dieser Zeit kann man ihn beim Rasten entdecken.

Das Nest des Sandregenpfeifers

Sandregenpfeifer bauen kein Nest im herkömmlichen Sinne. Eine mit Halmen oder Muschelschalen ausgekleidete Mulde im Sand oder Kies genügt ihnen vollkommen. Etwa im März beginnen die Sandregenpfeifer damit, ihr Brutrevier zu beziehen. Während der Balz baut das Männchen mehrere Mulden. Am Ende hat das Weibchen die Qual der Wahl. Sie wird sich schlussendlich für die zur Eiablage am besten geeignete Mulde entscheiden. Die Brut beginnt etwa im April. Oft folgt noch eine zweite (oder bei guten Bedingungen sogar dritte) Brut. Je Brut werden durchschnittlich vier Eier gelegt. Die Eier sind sandfarben mit dunklen Flecken. Dadurch sind sie auf dem Boden liegend gut getarnt und vor den hungrigen Blicken der Fressfeinde geschützt.

Als Bodenbrüter ist der Sandregenpfeifer noch mehr als viele andere Vogelarten auf unsere Rücksicht angewiesen. Auch wenn sein Bestand insgesamt nicht bedroht ist, wurde er aus vielen Gebieten durch menschliche Störungen komplett vertrieben. Deshalb ist es wichtig, Abstand zu halten, um keine Gelege zu gefährden und die Sandregenpfeifer nicht zu stören. Denn jede Flucht bedeutet für die 18 bis 20 Zentimeter kleinen Vögel einen großen Energieverbrauch.

Trickreicher Schutz vor Feinden

Die Eier werden von den beiden Elternteilen 23 bis 25 Tage bebrütet. Wie es für Bodenbrüter typisch ist, verlassen die Küken das Nest bereits kurz nach dem Schlüpfen. Sie suchen zu diesem Zeitpunkt bereits selbstständig nach Nahrung. Auch das ist typisch für bodenbrütende Arten.
Doch der Nachwuchs ist mitnichten auf sich allein gestellt. Wenn sich ein Feind nähert, kann man bei den Eltern das sogenannte Verleiten beobachten. Dabei machen sie den Feind durch auffälliges Verhalten auf sich aufmerksam und versuchen ihn so, von ihrem Nachwuchs wegzulocken. Eine beliebte Taktik ist das Vortäuschen eines Flügelbruchs. Der Feind hält die schauspielerisch begabten Sandregenpfeifer für eine leichte Beute und folgt ihnen. Sobald die Entfernung zum Nachwuchs ausreicht, starten die Eltern abrupt durch und lassen den verdatterten Angreifer verwundert und noch immer hungrig zurück.

Bereits nach drei bis vier Wochen sind die Jungvögel flügge. Mit dieser beschleunigten Kindheit lässt sich auch die Frage beantworten, wie die Sandregenpfeifer in einer Saison bis zu drei Bruten aufziehen können.

Das Federkleid der jungen Sandregenpfeifer

Die jungen Sandregenpfeifer sind, wie auf meinem Bild zu sehen, viel schlichter gefärbt als die ausgewachsenen. Die Oberseite des Körpers und des Kopfes sind unauffällig braun und die Unterseite sowie der Hals und Nacken sind weiß gefärbt. Zudem ist ein nicht vollständig ausgebildetes schwarzes Halsband zu erkennen. Die schönen orangenen Akzente der Alttiere fehlen komplett. Alles in allem ist die Färbung deutlich weniger kontrastreich.

Die Nahrung des Sandregenpfeifers

Das Nahrungsspektrum des Sandregenpfeifers ist breit gefächert. Je nach Vorkommen ernährt er sich von Insekten und deren Larven, Schnecken, Würmern, Spinnen, Muscheln und Krebstieren. In der Regel besteht die Hauptnahrung aus kleinen Insekten. Selten zu beobachten ist hingegen die Aufnahme pflanzlicher Kost in Form von Sämereien oder anderen Pflanzenteilen.

Für uns Beobachter ist vor allem die Art interessant, wie der Sandregenpfeifer seine Nahrung sucht. So kann man ihm dabei zusehen, wie er schnell umher läuft, um dann plötzlich stehen zu bleiben und im Boden zu picken. Zudem lässt sich beobachten, wie er mit einem Fuß in schneller Abfolge auf die gleiche Stelle tritt. Vermutlich dient dieses Verhalten dazu, Beutetiere an die Oberfläche zu locken. Sogar hüpfend kann man den Sandregenpfeifer entdecken. Das wird wohl aus ähnlichen Gründen wie das Fußtippeln gemacht. Vielleicht hält er aber auch einfach nach der nächsten leckeren Mahlzeit Ausschau. Denn der Sandregenpfeifer sucht vor allem Insekten mithilfe seiner Augen.

Beobachtungstipps

Nach meinen Erfahrungen sind Sandregenpfeifer sehr schreckhaft und flüchten früh, wenn man sich ihnen nähert. Das ist nicht nur für die Tiere schlecht, sondern auch für uns enttäuschend. Sehr viel besser klappt die Beobachtung, wenn man sich ruhig hinsetzt und wartet, bis die Kleinen von selbst kommen. Dabei sollte auf leuchtende Kleidung verzichtet werden. Diese mögen sie offenbar nicht. Mit ein wenig Geduld und etwas Glück kann man auf diesem Wege faszinierende Beobachtungen machen.

Sandregenpfeifer und Flussregenpfeifer unterscheiden

Um Sandregenpfeifer und Flussregenpfeifer voneinander zu unterscheiden, gibt es verschiedene Merkmale. So fällt beim Flussregenpfeifer ein gelber Ring um dem Auge auf. Der Sandregenpfeifer hat hingegen keinen Augenring.
Außerdem lassen sich die beiden Arten anhand des Schnabels unterscheiden. Der Sandregenpfeifer hat einen orange gefärbten Schnabel mit schwarzer Spitze. Zwar ist die Färbung im Winter weniger intensiv als im Sommer, doch die Unterscheidung ist dennoch möglich. Denn beim Flussregenpfeifer ist der Schnabel durchgängig dunkel gefärbt. Wie der Schnabel sind auch die Beine beim Sandregenpfeifer auffällig orange gefärbt. Sie verlieren im Winter ebenfalls an Farbintensivität. Im Gegensatz dazu sind die Beine des Flussregenpfeifers, genau wie sein Schnabel, deutlich schlichter gefärbt.

Beim Sandregenpfeifer sind Männchen und Weibchen nahezu gleich gefärbt. Die Färbung beim Männchen ist allerdings kontrastreicher und intensiver als beim Weibchen. Im Winter verblassen die Farben beider Geschlechter und die Farbübergänge verlaufen.

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