Der Waldkauz

Den charakteristischen Ruf des männlichen Waldkauzes kennt fast jeder Mensch. Immerhin ist er ein beliebtes Mittel, um in Filmen eine gruselige Stimmung zu erzeugen. Doch wer ist eigentlich diese Eule, die akustisch für so viel Gänsehaut sorgt, visuell aber eher selten in Erscheinung tritt?

Der Waldkauz führt ein heimliches Leben. Er ist in der Dämmerung und in der Nacht unterwegs. Man muss schon etwas Glück haben, um ihn am Tage beobachten zu können. Am liebsten lebt er in Wäldern, bestenfalls mit einem alten Baumbestand und einem reichen Angebot an passenden Höhlen. Aber auch in Städten kann man den Waldkauz treffen. Hier brütet er meist in Gebäuden oder speziell für ihn bereitgestellten Nistkästen. Neben Höhlen greift der Waldkauz auch auf ausgediente Nester von Elstern und Krähen zurück.

Was seine Nahrung angeht, ist der Waldkauz kaum spezialisiert. Somit ist er gut gerüstet für immer wieder vorkommende Populationsschwankungen seiner Beutetiere. Sein Beutespektrum reicht von Regenwürmern, Käfern, Amphibien, Maulwürfe, Ratten und Mäusen bis hin zu Vögeln, die er zum Beispiel während der Nacht auf ihren Nestern fängt. Sogar Fisch - wenn auch sehr selten - steht auf seinem Speiseplan.
Wie breit er bei seinen möglichen Beutetieren aufgestellt ist, zeigt sich auch darin, dass man in Mitteleuropa bis zu 100 Vogelarten gezählt hat, die zu seiner Beute zählen. Von Spatzen und Finken bis hin zu Tauben und Elstern ist seine Speisekarte auch bei der Größe seiner Beutetiere von Vielfalt geprägt. Dieses breit aufgestellte Nahrungsspektrum ist wohl einer der Hauptgründe, warum der Waldkauz unsere häufigste Eulenart in Deutschland ist.

Für gewöhnlich bleibt der Waldkauz ein Leben lang in seinem Jagdgebiet, wenn er es erst einmal besetzt hat. Wie groß dieses Gebiet ist, hängt von mehreren Faktoren ab. So sind für ihn Höhlen, Ansitze und natürlich ausreichend Nahrung sehr wichtig. Je nachdem wie gut diese Bedingungen erfüllt werden, kann die Größe seiner Jagdgebiete zwischen etwa 8 und 75 Hektar variieren.

Überhaupt ist das Verhalten des Waldkauzes sehr vielfältig. Neben einem breiten Nahrungsspektrum und der Fähigkeit unterschiedliche Habitate zu besiedeln, ist er auch bei der Jagdtechnik nicht festgelegt. Er beherrscht sowohl die Ansitz- als auch die Flugjagd. Seine Ansitze müssen dabei nicht hoch sein - oft reicht ihm eine Höhe von etwa 60 Zentimetern vollkommen aus. Mitunter wechselt er in einer Nacht zwischen Flug- und Ansitzjagd hin und her. Die Zeit auf dem Ansitz nutzt der Waldkauz auch zum Auswürgen seiner Gewölle. Zeit genug hat er dafür, denn so ein Ansitz kann gerne mal eine Stunde dauern.

Um seinen Nahrungsbedarf zu decken, muss der Waldkauz im Schnitt 60 bis 70 Gramm erbeuten – das entspricht etwa vier Feldmäusen. Auch beim Verzehr seiner Beute ist der Waldkauz nicht festgelegt. Kleinere Tiere verschlingt er im Ganzen - mit dem Kopf voran. Größere Beute - wie auch das Futter für seine Kinder - wird zerkleinert und portionsgerecht gegessen bzw. gefüttert. Verklemmt sich die Nahrung beim Herunterschlingen, verfügt der Waldkauz über die Fähigkeit, sie mithilfe seiner Fänge wieder herauszuholen.

Die Brut

Der Waldkauz eröffnet sehr früh die Brutsaison. Der genaue Zeitpunkt kann zum Teil stark variieren. Die Witterung aber auch der Brutstandort und das Nahrungsangebot spielen hierbei eine wichtige Rolle. In einem städtischen Habitat wird mitunter schon im Januar mit der Brut begonnen. Im Wald liegt der Zeitraum später - je nach den Bedingungen im Februar oder März. In Jahren mit einem äußerst schlechten Angebot an Nahrung kann die Brut auch komplett ausfallen.

Gebrütet wird beim Waldkauz von der Mutter alleine. Der Vater ist mit der Nahrungsbeschaffung sowie der Bewachung von Brut und Revier beschäftigt. Wer schlau ist, rückt dem Waldkauz nicht auf die Pelle. Vor allem nicht während der Brutzeit. Denn er verteidigt seinen Nachwuchs mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Nicht selten geschieht das ohne Vorwarnung aus dem Hinterhalt. Dabei scheut er auch nicht die Auseinandersetzung mit Artgenossen oder anderen Eulenarten.

Sind die Jungen geschlüpft, kann es ihnen gar nicht schnell genug gehen mit dem Verlassen der Höhle. Etwa im Alter von einem Monat ist es soweit. Zu diesem Zeitpunkt können die jungen Eulen allerdings noch nicht fliegen. Deswegen lassen sie sich oft auf Ästen oder dem Waldboden sitzend entdecken. Da sie durch das Rufen nach ihren Eltern auf sich aufmerksam machen, wirken die Ästlinge – so werden die Jungtiere zu dieser Zeit genannt – auf uns Menschen oft hilflos. Das sind sie aber in der Regel nicht. Durch das Rufen teilen sie ihren Eltern nur ihren Standort mit. Das ist wichtig, da sie von ihnen noch mit Nahrung versorgt werden. Vor möglichen Fressfeinen können sich die Jungen, trotz Flugunfähigkeit, schon gut in Sicherheit bringen. Sie sind schneller und stärker, als es oft den Anschein macht und können sich bei Bedarf auf einen rettenden Baum flüchten.

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