Der Zaunkönig

Gut getarnt und winzig klein kommt er daher - der Vogel des Jahres 2014 ist leicht zu übersehen. Doch das wäre viel zu schade, denn er ist nicht nur niedlich, sondern birgt auch viele interessante Geschichten. Erraten, die Rede ist vom Zaunkönig :-)

Er ist nicht der kleinste Vertreter der heimischen Vogelwelt. Dennoch kann man ihn bei einer „Größe“ von etwa 10 Zentimetern und einem Fliegengewicht von gerade mal 10 Gramm ohne schlechtes Gewissen als Winzling bezeichnen. Am liebsten lebt er in strukturreichen Wäldern. Doch er kann auch mit einer gehörigen Portion Anpassungsfähigkeit aufwarten und kommt vielerorts in besiedeltem Gebiet vor. Der Zaunkönig ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, dass wir Wildtieren mit einer naturnahen Gartengestaltung einen alternativen Lebensraum anbieten. Weltweit gibt es etwa 70 Arten von Zaunkönigen, doch soll es in diesem Beitrag um den bei uns heimischen Zaunkönig gehen.

Das wohl bekannteste Erkennungsmerkmal beim Zaunkönig ist der steil aufgerichtete Schwanz. Sein Gefieder ist rostbraun und damit bestens geeignet, um sich gut getarnt am Waldboden oder im Gebüsch auf die Suche nach Insekten zu begeben. Sein spitzer Schnabel hilft ihm bei der Jagd auf kleine Insekten. Ein besonders guter Flieger ist er übrigens nicht. Daher bewegt er sich liebend gerne hüpfend am Boden fort.

Beim Standort seiner Nester ist der Zaunkönig wenig festgelegt und nutzt eine Menge an Möglichkeiten. Diese Fähigkeit kommt ihm zugute, wenn man an die drastischen Umgestaltungen natürlicher Habitate denkt. Seine Nester, zu denen wir gleich noch kommen, werden im Grunde immer gleich gebaut. Der Standort reicht vom Boden, über Baumwurzeln und umgefallenen Bäumen bis hin zu aufgeschichteten Holzstapeln, Hecken, Mauern, Stegen und Ställen. Nicht ausgefallen genug? Dann hat der Zaunkönig noch mehr zu bieten: seine Nester wurden auch schon in aufgehängter Wäsche und vertrockneten Tierleichen gefunden! Zudem nutzt er Behausungen anderer Vögel, beispielsweise die Brutröhren von Eisvögeln. Außerdem ist der Zaunkönig ein sehr toleranter Nachbar. Er duldet diverse andere Arten, wie zum Beispiel das Rotkehlchen in direkter Nähe zu seinem Nest.

Ein Nest? Nicht beim Zaunkönig! Er baut nämlich nicht nur ein Nest, sondern direkt mehrere. Insgesamt baut das Männchen bis zu zwölf Nester in einer Saison. Ganz schön viel Arbeit – deswegen beginnt er damit, sobald er ein Revier besetzt hat. Trotz der Anzahl spart der Zaunkönig nicht an Raffinesse. Er baut kunstvolle oval-kugelförmige Nester, die fast komplett geschlossen sind. Ein Eingang befindet sich an der Seite.
Zum Bauen benutzt er nasse Materialen, die beim Trocknen die Form festigen können. Bis es zur ersten Kopulation kommt, hat das Männchen meist bis zu acht Rohbauten fertig. Danach baut er weiter.
Warum macht er das, wo doch Tiere in der Regel darauf bedacht sind, unnötigen Energieaufwand zu vermeiden? Im Grunde ist es auch beim Zaunkönig nicht anders. So brüten Zaunkönige in der Regel zweimal im Jahr. Hinzu kommt, dass „Monogamie“ nicht zum Wortschatz des Zaunkönigs zu gehören scheint – kommen weitere Weibchen in sein Revier, stößt er auch sie nicht von der Bettkante. Es wurden in einer Brutsaison schon Paarungen mit fünf verschiedenen Weibchen beobachtet. Und da braucht es eben eine Menge Nester, um ausreichend Platz für den zahlreichen Nachwuchs zu haben.

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