Die Lachmöwe

Möwen gibt es nicht nur am Meer - die Lachmöwe kann man seit den letzten hundert Jahren immer öfter auch im Binnenland beobachten. Im Winter nimmt ihre Zahl zu, weil die Lachmöwe aus dem Norden in ihre südlichen Überwinterungsgebiete zieht.

An ihre Nahrung stellt die Lachmöwe keine hohen Ansprüche. Am liebsten frisst sie kleine Fische, Insekten, Würmer und Schnecken, doch sie begnügt sich auch mit pflanzlicher Kost oder Abfällen.

Die Lachmöwe erkennen

Die Lachmöwe erkennt man im Winter leicht an ihrem weißen Kopf mit den dunklen Flecken an den Seiten. Im Sommer ist der Kopf hingegen komplett dunkel gefärbt. Die Gesichtsfärbung ist für eine Lachmöwe übrigens die Eintrittskarte für die Brutkolonie – wer sie nicht hat, bleibt draußen.

Übrigens: Die Lachmöwe ist nicht immer leicht zu erkennen. Bei ihr kommen häufig Farbabweichungen vor, die zu großen Unsicherheiten bei der Identifizierung führen können. Erschwerend kommt hinzu, dass auch Hybriden, zum Beispiel mit der Schwarzkopfmöwe, auftreten können.

Weltenbummler

Die Lachmöwe ist ein wahrer Weltenbummler. Im Laufe des Jahres ist sie bei weitem nicht nur bei uns in Deutschland zu beobachten. Im Sommer lässt sie sich in ihren Brutgebieten nieder, die bis in den Norden nach Norwegen und Island reichen. Im Winter zieht sie den Süden vor. Die Überwinterungsgebiete befinden sich zum Beispiel in Süd- und Osteuropa, Afrika sowie an den Küsten des Arabischen Meers.

Hierzulande treffen wir die Lachmöwe das ganze Jahr über an. Im Wattenmeer ist sie mit etwa 130.000 Paaren sogar der häufigste Brutvogel. Obwohl es sie im Winter überwiegend in wärmere Gefilde verschlägt, kann man zu dieser Zeit Lachmöwen im Wattenmeer beobachten. Denn Zehntausende Wintergäste sind zu Besuch. Insgesamt sind es allerdings deutlich weniger als im Sommer.

Das Brutgebiet

Vor allem zur Brutzeit mag die Lachmöwe es gesellig. Nach dem Motto "viel schützt viel" brütet sie in Kolonien, die oft mehrere Tausend Paare groß sind. Die dort herrschende Geräuschkulisse ist bombastisch.
Ähnlich faszinierend anzuschauen ist, wenn die gesamte Kolonie sich erhebt und zu fliegen beginnt. Zumeist geschieht das, wenn Gefahr droht. So ist es für Greifvögel fast unmöglich, ein einzelnes Tier zu fokussieren, wenn sich die Kolonie in der Luft befindet.

Etwa im März kehren die Lachmöwen zu ihren Brutgebieten zurück. Sie führen eine monogame Saisonehe. Aufgrund ihrer Treue zum Brutplatz ist es aber nicht ausgeschlossen, dass das gleiche Paar öfter als eine Brutsaison zusammenfindet.

Das Nest

In der Kolonie angekommen wird auch gleich mit dem Bau des Nestes begonnen. Je nach Gebiet befindet sich dieses am Boden, schwimmend auf dem Gewässer, auf Dächern oder, wie neuerdings auch beobachtet wurde, auf Bäumen. Die Lachmöwe ist hier flexibel und kann sich den Bedingungen vor Ort recht gut anpassen.

Das Nest wird von beiden Partnern gemeinsam erbaut, wobei das Männchen in der Regel die Hauptarbeit übernimmt. Auch hierbei erweisen sie sich als flexible Architekten und passen die Bauweise an die jeweiligen Gegebenheiten an. Bei einem Brutplatz am Boden wird kein großer Aufwand betrieben. Ein wenig Polsterung und fertig ist das Heim. Sehr viel aufwendiger hingegen sind Konstruktionen, die sich auf dem Wasser befinden. Diese erreichen eine Höhe von etwa 50 Zentimetern, sodass der Nachwuchs gut geschützt vor dem Wasser ist.

Die Brut

Auch das Brutgeschäft an sich betreibt das Paar gemeinsam. Im Normalfall legt das Weibchen drei Eier, die etwa 20 bis 23 Tage lang abwechselnd von den Partnern bebrütet werden. Ist der Nachwuchs geschlüpft, bleibt häufig das Weibchen am Nest und überlässt dem Männchen die Nahrungssuche. Oftmals ist dann zu beobachten, wie das Männchen die Nahrung an das Weibchen weitergibt. Das Weibchen wiederum füttert den Nachwuchs. Eine strikte Regel ist das aber nicht. Denn das Männchen füttert auch direkt.
Nach etwa 26 Tagen können die kleinen Lachmöwen fliegen, mit etwa 35 Tagen sind sie selbstständig.

Rekordverdächtige Lebenserwartung

Wir schreiben das Jahr 1986 und befinden uns in der englischen Grafschaft Herfordshire. Ornithologen beringen eine Lachmöwe, die im Vorjahr das Licht der Welt erblickte. Lang ist es her, doch nun wurde sie wieder entdeckt. Die damals beringte Möwe konnte im letzten Jahr mehrfach auf der Hallig Norderoog gesichtet werden. Damit ist sie, so berichtet der Verein Jordsand e. V., die bislang älteste dokumentierte Lachmöwe. Ein stolzer Rekordhalter mit 33 Jahren!

Doch wie sieht es neben diesem herausragenden Rekord mit der Lebenserwartung der Lachmöwe aus? Für gewöhnlich wird sie etwa 10 bis 20 Jahre alt. Ein relativ hoher Anteil der Tiere stirbt in jungen Jahren. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Fälle, in denen ein Alter von über 20 Jahren nachgewiesen wird. Wer es als Lachmöwe schafft, die ersten zwei Jahre zu überstehen, hat gute Karten, sein Leben um viele weitere Jahre zu verlängern.

Feinde und Gefahren

Die Lachmöwe ist einer ganzen Reihe von Feinden und Gefahren ausgesetzt. Um sich bestmöglich zu schützen, brütet sie in großen Kolonien. Die Gemeinschaft zu ihren Artgenossen verringert die Gefahr durch Fressfeinde wie zum Beispiel Greifvögel, Marder oder Füchse. Jedoch birgt diese Strategie auch Gefahren: Zum Beispiel können sich Parasiten weitaus leichter in einer Kolonie ausbreiten als bei Einzelbruten. Und auch die Vogelgrippe stellt eine reale Gefahr für eine Lachmöwenkolonie dar.

Neben natürlichen Gefahren sieht sich die Lachmöwe leider auch weiteren Bedrohungen ausgesetzt. Die Ursache hierfür sind leider, wie viel zu oft, wir Menschen. Auf der einen Seite sorgt die intensive Landwirtschaft für eine Verknappung geeigneten Lebensraumes. Auf der anderen Seite werden auch Beutetiere in ihrem Bestand dezimiert. Dies ist zum einen ebenfalls das Ergebnis der intensivierten Landwirtschaft. Zum anderen werden aber auch immer wieder komplette Biotope in ihrer Struktur verändert und somit für die Nahrungssuche und Brut der Lachmöwe unbrauchbar gemacht - beispielsweise, wenn in Feuchtgebieten gezielt der Wasserstand angehoben wird. Aber auch das Gegenteil wird zu einem Problem für die Möwe. Trockenlegungen zum Zwecke der Bewirtschaftung oder Bebauung sind ebenso ein Risiko wie die allmähliche Verlandung von zuvor von Wasser bedeckten Nahrungsplätzen. Aus diesen Gründen findet die Lachmöwe vielerorts nicht ausreichend Nahrung für ihren Nachwuchs.

Ein weiter Faktor, unter dem die Lachmöwe extrem leidet, ist der mit dem Klimawandel verbundene Anstieg des Meeresspiegels. Das trifft zwar „nur“ die an der Küste brütenden Tiere, diese dafür aber umso schlimmer. So haben die diesjährigen Sommerhochwasser an den deutschen Küsten für viele Tausend tote Lachmöwen gesorgt. Ganze Kolonien blieben durch den Tod der noch flugunfähigen Küken ohne Bruterfolg. Das Phänomen an sich ist erst einmal nichts Neues. Unter Einheimischen ist es als „Kükenflut“ bekannt. Was problematisch ist, ist die Häufung derartiger Ereignisse. Denn diese ist als Folge des von uns Menschen verursachten Klimawandels neu. Haben die Vögel (zu denen übrigens auch andere an der Küste brütende Arten gehören) im Normalfall noch die Chance, die Verluste in den Folgejahren wieder auszugleichen, wird ihnen diese Möglichkeit genommen, wenn solche Ereignisse öfter auftreten. Um die Lage noch besser einschätzen zu können, wird der Verein Jordsand e. V. diese Vorgänge in den nächsten Jahren mit einem wissenschaftlichen Projekt begleiten.

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