Die Uferschnepfe

Auf langen Beinen stakst die Uferschnepfe über die Feuchtwiese. Sie fühlt sich dort am wohlsten, wo sie feuchte Böden findet, in denen sie nach Nahrung stochern kann. Leider schwindet ihr Lebensraum rasant, weswegen sie in der Roten Liste Deutschland in die Kategorie 1 aufstieg: Vom Aussterben bedroht. Vor allem die intensiver betriebene Landwirtschaft setzt ihr seit den 1960er Jahren immer mehr zu.

Heute lebt die Uferschnepfe oft in Menschennähe. Deswegen sollten Feuchtwiesen in bekannten Brutgebieten vor allem in der Brutzeit - zwischen März und April - am Besten nicht betreten werden. Denn die Uferschnepfe brütet am Boden und ihre grün-schwarzen Eier sind gut getarnt.
Am Dümmer
– das ist ein See in Niedersachsen – erkundet der Nachwuchs bereits die Wiesen. Die Eltern verteidigen ihn in dieser Zeit lautstark gegen mögliche Feinde.

So sieht die Uferschnepfe aus

Lange Beine, langer Hals und langer Schnabel – dazwischen etwas pummelig. Klingt nicht gut? Ist es aber! Die Uferschnepfe gilt bei vielen Vogelbegeisterten als die schönste und eleganteste Vertreterin der Schnepfenvögel. Widersprechen möchte ich dem nicht – die Uferschnepfe ist wirklich ein sehr, sehr schöner Vogel.

Am schönsten kommen die Uferschnepfen, wie soll es auch anders sein, in ihrem Prachtkleid daher. Wie bei Watvögeln üblich, fällt das Prachtkleid zwar eher gedeckt aus (gut getarnt lebt es sich in Regel halt doch länger). Doch gemeinsam mit der Musterung ergibt die Färbung der Uferschnepfe nicht nur eine gute Tarnung, sondern auch ein schönes Gesamtbild: Ihr Hals und Kopf sind rostrot gefärbt, der Körper braunschwarz und die Flügelunterseite silbrig.
Nach der Mauser wird die Uferschnepfe dann unscheinbarer. Es mischen sich mehr schwarze und graue Töne ins Federkleid. Auch der Schnabel wechselt seine Farbe: Im Prachtkleid orange gefärbt mit schwarzer Spitze hat er im Schlichtkleid eine rosa Färbung. Nur die schwarze Spitze bleibt.

Im Flug ist die Uferschnepfe zum einen gut an ihren ganzjährig weißen Schwanzfedern mit schwarzem Abschluss zu erkennen. Zum anderen fallen ihre Proportionen sofort ins Auge: Der Kopf mit dem charakteristisch langen Schnabel überragt den Körper nach vorne genauso weit wie die langen Beine und der Schwanz nach hinten.

Mit einer Körperlänge von 35 bis 45 Zentimetern ist die Uferschnepfe ein auffallend großer Watvogel. Die Männchen sind mit einem Gewicht von 160 bis 440 Gramm kleiner als die Weibchen. Diese kommen auf ein Gewicht von etwa 240 bis 500 Gramm. Dabei erreichen sie eine Flügelspannweite von etwa 75 Zentimetern. Neben dem geringeren Gewicht und der kleineren Statur haben die männlichen Uferschnepfen auch einen kürzeren Schnabel als die Weibchen.

Die Nahrung

Die Uferschnepfe ist mit ihrem langen Schnabel auf eine bestimmte Form der Nahrungsbeschaffung spezialisiert. Könnte man meinen. Im Allgemeinen stimmt das auch, aber es gibt durchaus Situationen, in denen sie in der Lage ist, sich bei Knappheit ihrer Lieblingskost andere Nahrungsquellen zu erschließen. Zum Beispiel wurde beobachtet, dass sie sich in ihren Überwinterungsquartieren auch von Reiskörnern ernährt. Es gibt sogar Populationen, die sich in den Wintermonaten komplett auf pflanzliche Kost beschränken.

Aber, wovon ernährt sich die Uferschnepfe am liebsten und wie hilft ihr der lange Schnabel dabei?
Am liebsten mag sie Würmer, Spinnen, Weichtiere, Krebstiere, kleine Fische und Insekten. Den Hauptteil ihrer Nahrung findet die Uferschnepfe, indem sie mit ihrem Schnabel im Boden nach ihr stochert. Ob sie dabei Erfolg hat oder nicht, ist nicht nur, wie man vermuten könnte, ein reines Glücksspiel. Denn die Schnabelspitze der Uferschnepfe ist besonders drucksensibel und hilft ihr dadurch, die Beute besser zu lokalisieren.

Der Schnabel ist übrigens nicht von Anfang an geeignet für diese Form der Nahrungsbeschaffung. Daher suchen sich die Küken, die als Nestflüchter ihre Nahrung vom ersten Tag an selbst sammeln, diese oberirdisch. Erst nach etwa zwei Wochen weiten sie ihr Suchgebiet auf Untertage aus. Dann ist ihr Schnabel lang und fest genug dafür. Bis dahin sind sie auf kleine Insekten als Nahrung angewiesen, die etwa bis vier Millimeter groß sein dürfen. Auch deswegen ist es für die Uferschnepfe wichtig, dass sie in ihren Brutgebieten eine starke und abwechslungsreiche Insektenfauna vorfindet.

Die Balz

Bevor das Brutgeschäft beginnt, steht das Werben um den Partner bevor. Uferschnepfen sind treu und gehen oft eine lebenslange Partnerschaft ein.
Sobald sie aus den Überwinterungsgebieten zurückgekehrt sind, beginnen sie mit der Balz. Die Balz der Uferschnepfen ist sowohl ein akustisches als auch ein visuelles Highlight. Mit ihren im Flug vorgetragenen Rufen ziehen die Uferschnepfenmännchen die Bewunderung der Weibchen – und der menschlichen Beobachter – auf sich.
Doch der Auftritt des Männchens dient nicht nur dem Werben um die Gunst des Weibchens. Mit ihm besetzt er auch sein Brutrevier und verteidigt es gegen andere Männchen.

Das Nest

Auch ihrem Nistplatz bleiben die Uferschnepfen treu. Oft wählen sie den gleichen Platz wie im Vorjahr aus. Dennoch macht das Männchen dem Weibchen unterschiedliche Angebote. Deshalb beginnt es gleich nach der Ankunft im Brutgebiet damit, mehrere Nistmulden zu scharren. Aus ihnen wählt das Weibchen den besten Brutplatz aus.
Anschließend baut das Männchen den ausgewählten Brutplatz weiter aus. Hierfür verbaut er vor allem Gräser aus der direkten Umgebung. Das garantiert eine gute Tarnung, da sich die Nistmulde farblich in die jeweilige Umgebung einfügt.

Die Brut

Ist die Mulde fertig gebaut, kann mit der Brut begonnen werden. Das Weibchen legt in der Regel vier Eier, jeweils mit einem Abstand von ein bis zwei Tagen. Die Eier sind oliv-braun gefärbt und dunkel gefleckt. Das bietet ihnen eine gute Tarnung. Um sie noch zu verbessern, überziehen Uferschnepfen ihre Nistmulde zusätzlich mit Grashalmen, wenn sie sie verlassen. Im Gegensatz zum Nestbau ist das Brüten Teamarbeit. Hierbei wechseln sich Männchen und Weibchen ab. Die Brutzeit beträgt etwa 24 Tage.

Gemeinsam stark

Uferschnepfen brüten nicht in Kolonien. Doch sie schätzen die Gemeinschaft, denn sie bietet allen Mitgliedern einen besseren Schutz vor Feinden. Eine ganze Reihe von Tieren hat es auf die proteinreichen Eier abgesehen. Dazu zählen neben Fuchs, Iltis, Hermelin und Wiesel auch Rabenkrähen. Nähert sich einer dieser Feinde dem Brutgebiet, fliegen alle Elternteile auf und attackieren den Eindringling. Dabei arbeiten sie sogar artübergreifend zusammen: zum Beispiel mit Kiebitzen und Rotschenkeln.
Der geschlüpfte Nachwuchs muss zudem gegen verschiedene Greifvögel verteidigt werden. Auch sie werden von den Uferschnepfen angegriffen, wenn sie sich im Brutgebiet sehen lassen.

Schlüpfen, flüchten, futtern

Der Nachwuchs hält sich nach dem Schlüpfen nicht lange im Nest auf. Als Nestflüchter erkunden sie bereits wenige Stunden später das Gebiet. Von klein auf suchen sie sich ihre Nahrung selbst, werden also nicht von den Eltern gefüttert. Auf sich allein gestellt sind sie deswegen aber nicht. Die Eltern führen ihren Nachwuchs und verteidigen ihn. Ihre Aufgabe besteht auch darin, für ein ausgeglichenes und reichhaltiges Nahrungsangebot sowie ausreichend Deckung zu sorgen.

Die Überwinterung

Die Uferschnepfe verbringt die kalte Jahreszeit im wärmeren Süden. Zwischen Juli und Oktober bricht sie in die Überwinterungsgebiete auf. Der Schwerpunkt liegt in Afrika, doch auch in Australien, Asien und sogar Europa überwintert sie. Am liebsten hält sie sich an der Küste auf, doch auch in großen Feuchtgebieten im Landesinneren lässt sie sich nieder.

Ab März kann die Uferschnepfe wieder in den Brutgebieten beobachtet werden. Ein Brutpaar bleibt oft das ganze Leben lang zusammen. Obwohl die Partner mitunter mehrere hundert Kilometer voneinander entfernt überwintern, kehren sie dennoch zeitgleich zurück.

 

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